Gewichtsdecke im Praxistest

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Die Gewichtsdecke wird auch sensorische Decke genannt und wird bei Schlafproblemen eingesetzt. Außerdem sollen sie bei Depressionen und Angst- und Zwangsstörungen unterstützend helfen. Die positive Wirkung ist schon seit einer Weile bewiesen, aber bislang noch nicht allzu bekannt auf dem Markt.

Wir haben einen Praxistest gemacht und lassen euch an den Ergebnissen gerne teilhaben.

Zu mir: Ich bin 25 Jahre alt und schlafe stellenweise sehr schlecht und unruhig. Ich wache nachts oft auf, bewege mich im Schaf so viel, dass meine Smart Watch mir sagt, ich hätte mein Stehziel im Schlaf schon zu 40% erfüllt. Ich habe sehr viel probiert, um besser zu schlafen. Habe tagsüber Sport gemacht und mich richtig ausgepowert, Koffein nur bis 12:00 Uhr vormittags zu mir genommen, Koffein ganz weggelassen, Tees, ätherische Öle, Abendroutinen, Auszeit vom Smartphone, etc. Das hat alles nicht *nicht* gewirkt, es hat mir allerdings lediglich geholfen, besser einzuschlafen. Durchgeschlafen habe ich trotzdem nicht, erholt war ich auch nicht wirklich.

Generell sollte aber gesagt sein, dass all diese Hilfsmittel von Person zu Person unterschiedlich wirken. Macht ja auch total Sinn: Wir, als Menschen, sind super individuell. Was für mich nicht funktioniert, kann für jemand anderen der Schüssel zum Erfolg(reichen Schlaf) sein!

Also habe ich vor vier Wochen, nachts um 3:00 Uhr nach 2 Stunden Schlaf, recherchiert und bin auf die sensorische Decke gestoßen. Klingt erstmal interessant. Ob die Decke hält, was sie verspricht, erfahrt ihr jetzt direkt.

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Wichtig: Die Gewichtsdecke darf nicht schwerer sein, als 10% des eigenen Körpergewichts. Also sollte eine Person, die 80 Kilogramm wiegt, idealerweise eine Decke nutzen, die 8 Kilogramm wiegt. Wer chronisch krank ist (Atemwege, Herz, Diabetes, Skoliose und generell Krankheiten, die den Kreislauf betreffen), sollte sich definitiv vorab ärztlichen Rat einholen. Dasselbe wird bei Kindern empfohlen.

Erste Nacht:

Obwohl mir bewusst war, dass die Decke schwer ist, war ich vom Gewicht überrascht. Die Decke in einen Bettbezug zu bekommen, war eine Mischung aus Akrobatik und Gewichtheben. Mir graut es schon vor dem nächsten Mal. Ob ich mir diese 10 Minuten in der Gewichtsdeckenhölle als Training anrechnen kann? Ich hoffe es.

Zunächst muss ich sagen, dass ich den Tag über hauptsächlich Bürotätigkeiten erledigt habe und aus Zeitgründen keinen Sport machen konnte (außer das oben genannte Decken-Dilemma). Den letzten Kaffee gab es um 14:00 Uhr. Man könnte also sagen: ich habe mir die idealen Voraussetzungen geschaffen… nicht. Es ist 22:00 Uhr, mein Smartphone ist im „Nicht stören“-Modus aber ich habe zusätzlich eine App, die meine Aktivität im Schlaf aufzeichnet. In Kombination mit der Smart Watch klingt das Ganze vielversprechend. Ich lese noch ein Buch und habe mich unter die Gewichtsdecke verzogen. um 22:30 Uhr geht das Licht aus.

Erster Eindruck: ganz schön schwer, aber nicht unangenehm. Besonders an den Beinen spüre ich das Gewicht der Decke, was aber nicht zwangsläufig schlimm ist. Mir wurde schon öfter gesagt, dass ich im Schlaf gerne mal austrete, als wollte ich im Traum über ein Hindernis springen. Generell fühlt es sich allerdings wie eine feste Umarmung an, eigentlich schön.

Zweiter Eindruck: Mist. Ich war lange nicht mehr so oft wach, wie in dieser Nacht. Ich bin zwei mal aufgewacht, weil ich die Decke von mir weggetreten hatte und mir unfassbar kalt war. Außerdem bin ich bestimmt einmal aufgewacht, weil ich die Decke höher ziehen wollte, aber es einfach nicht ging. Ein richtiger Kraftakt sozusagen.

Die Schlafanalyse hat meine Vermutung, dass mich die Decke unterbewusst verrückt gemacht hat, bestätigt. Ich hatte noch mehr Stehstunden gesammelt als unter normalen Bedingungen und der blaue Schlafstreifen, der normalerweise 3-4 Unterbrechungen hatte, galt einem Zebrastreifen. Gut aufwachen konnte ich auch nicht.

Zweite Nacht:

Ob ich einfach nur super erschöpft von der letzten Nacht war oder mich langsam an die Decke gewöhne weiß ich nicht genau, aber ich habe in der zweiten Nacht definitiv besser Schlafen können. Meine sportliche Betätigung hielt sich am Tag in Grenzen, der Kaffee war etwas stärker und das Buch vorm Schlafen habe ich weggelassen.

Diesmal war die Nacht erstaunlicherweise sehr entspannt. Ich bin nicht bewusst aufgewacht, der blaue Schlafstreifen blieb, bis auf wenige Unterbrechungen, blau und ich bin sehr gemütlich aufgewacht. Auch meine Smart Watch sagt mir, dass ich mein Schlafziel von 8 Stunden knapp erreicht habe. Meine Stehstunden sind wie von Zauberhand verschwunden.

Dritte Nacht:

Tagsüber war ich produktiver als sonst, hatte sogar Lust auf ein kurzes Training und einen Spaziergang nach der Arbeit. Lag vermutlich daran, dass ich ausreichend Schlaf hatte und die vorige Nacht nicht wie wild mit einer Decke kämpfen musste. Ich hatte zudem das Gefühl, dass meine Beine in der Nacht weniger unruhig waren.

Auch die dritte Nacht war entspannt, interessant war aber die Auswertung der Geräusche im Schlaf. Wo normalerweise mehr als 40 Aufnahmen von Deckengeräuschen waren und Bewegungen, die „nein, die Seite ist doof, ich drehe mich wieder um“ vermittelt haben, waren jetzt nicht mehr als 15 Aufnahmen, fünf davon vermutlich (hoffentlich) von meinen Katzen, die die Nacht zum Tag machten.

Nach vier Wochen:

Spaßeshalber habe ich die Gewichtsdecke nach vier Wochen wieder getauscht. Wenn ich jetzt mit meiner normalen Decke schlafe, fühle ich mich total unbehütet, als hätte ich mich nur mit einem Taschentuch zugedeckt.

Der Gewöhnungseffekt ist extrem! Wenn man sich an das Gewicht gewöhnt hat, kann man fast nicht mehr ohne. Generell muss ich sagen, dass die Gewichtsdecke einen super Effekt auf mich hatte. Obwohl mir das Einschlafen oftmals noch schwer fällt, wache ich nachts nicht mehr bewusst auf und fühle mich am nächsten Tag fit und erholt. Natürlich müssen dafür auch andere Voraussetzungen erfüllt sein. Einen Artikel für besseren Schlaf gibt es übrigens HIER.

Wer hat schon Erfahrungen mit Gewichtsdecken gemacht? Schreibt’s in die Kommentare!

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